Rote Karte für die Sportbekleidungsindustrie

Play Fair 2008 Bericht deckt menschenverachtende Arbeitsbedingungen in der Sportbekleidungsindustrie auf. Gewerkschafterinnen aus Hongkong berichten in Österreich und übergeben Play Fair 2008 Petition an Bundeskanzler und Sportminister Dr. Gusenbauer.

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Play Fair Report "Die Hürden überwinden"

Die Euro 2008 und die Olympischen Spiele rücken immer näher. Die Sportbekleidungsfirmen rechnen mit Gewinnen in Millionenhöhe. Keine Gewinne haben die ArbeiterInnen in den Produktionsländern zu erwarten. Hungerlöhne und menschenverachtende Arbeitsbedingungen prägen noch immer ihren Alltag. So das Ergebnis eines neuen Berichts der Kampagne Play Fair 2008.

„Ich bin todmüde. Keiner von uns hat Zeit, um auf die Toilette zu gehen oder Wasser zu trinken. Wir arbeiten ohne Pause und trotzdem drängen uns die Aufseher, noch schneller zu arbeiten, “ erzählt eine chinesische Arbeiterin, die Sportschuhe für New Balance in Dongguan, China herstellt im Interview für den Play Fair-Bericht. „ArbeiterInnen müssen bis zu 200 unterbezahlte, undokumentierte Überstunden im Monat verrichten, während die Löhne weniger als die Hälfte des gesetzlichen Mindestlohns betragen,“ bestätigt Pui-Lin Sham, von der Gewerkschaft Hong Kong Clothing, Clerical & Retailing General Union und ehemalige Beschäftigte in der Bekleidungsindustrie bei einer Pressekonferenz in Wien die Darstellung der Arbeiterin. Die Situation der ArbeiterInnen ist in allen Produktionsländern ähnlich. In Pakistan bekommen FußballnäherInnen umgerechnet zwischen 0,36 Euro und 0,41 Euro für jeden Ball. Dieser Stückpreis hat sich in den letzen sechs Jahren nicht geändert, was inflationsbedingt einen Kaufkraftverlust von rund 40% bedeutet.

Staphany Wong, Kampagnenkoordinatorin des Kontaktbüros des Internationalen Gewerkschaftsbunds in Hongkong, weiß was passiert, wenn ArbeiterInnen etwas an ihrer prekären Situation verändern wollen. „Beschäftigte, die sich gewerkschaftlich organisieren, droht Diskriminierung, Entlassung, Verhaftung oder sogar Gewalt“, analysiert Staphany Wong die momentane Situation anlässlich ihres Besuches in Österreich.

Rund 80 Prozent der Beschäftigten in der Bekleidungsindustrie sind weiblich. „Besonders Frauen werden zunehmend in prekäre und informelle Arbeitsverhältnisse gedrängt. Immer größer wird die Gruppe der so genannten ’working poor’, also Armut trotz Arbeit, “ so Kathrin Pelzer, Kampagnenleiterin der Frauensolidarität.

Obwohl die großen Markenartikelhersteller, wie Adidas, Nike, New Balance, Puma und Reebok, teilweise schon seit 15 Jahren über Verhaltenskodizes verfügen, macht der Play Fair-Bericht deutlich, dass sich die Situation für ArbeiterInnen kaum verbessert hat. Der Bericht stellt vier Schlüsselbereiche heraus, in denen die Sportbekleidungsindustrie etwas unternehmen muss: Niedriglöhne; Missbrauch von Kurzzeitverträgen und anderen prekären Beschäftigungsformen; Verstöße gegen die Vereinigungsfreiheit und das Recht auf Kollektivverhandlungen sowie Betriebsschließungen aufgrund von Umstrukturierungen.

Michaela Königshofer, Koordinatorin der Clean Clothes Kampagne resümiert: "Dieser Bericht setzt der Sportbekleidungsindustrie klare Ziele, die sie erfüllen muss, um wirklich Fortschritte für die Arbeiterinnen und Arbeiter zu erzielen. Wir fordern die VertreterInnen der Branche, der Sportorganisationen und der Politik dringend auf, sich dieser Verantwortung zu stellen."

Anlässlich der Übergabe der Play Fair-Petition an Bundeskanzler und Sportminister Dr. Gusenbauer im BKA durch Pui-Lin Sham, Staphany Wong, ÖGB-Präsident Hundstorfer, Volkshilfe Österreich Geschäftsführer Fenninger, Clean Clothes Kampagne Koordinatorin Königshofer und Frauensolidarität Kampagnenleiterin Pelzer erklärte Dr. Gusenbauer seine Unterstützung: „Ich unterstütze alle Initiativen, die für faire Arbeitsbedingungen eintreten. Die arbeitenden Menschen haben ein Recht auf gesunde, faire Arbeitsbedingungen und einen gerechten Lohn überall auf der Welt.“

Die Play Fair Kampagne hat eine Unterschriften-Aktion für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen weltweit gestartet. „Nur wenn die europäischen KonsumentInnen ihre Solidarität mit uns zeigen und sich bei den internationalen Konzernen für unsere Anliegen einsetzen, können wir auf faire Arbeitsbedingungen in China und anderen Entwicklungsländern hoffen!“ rief Pui Lin Sham auf.


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