ÖOC wird zum Fackelträger für faire Arbeitsbedingungen

Das Österreichische Olympische Comité (ÖOC) beginnt Kooperation mit Play Fair 2008 und bekennt sich zu sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit in der Ausstattung.

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Wien, 21.07.08. VertreterInnen der Kampagne Play Fair 2008 übergaben Montag Nachmittag anlässlich der Einkleidung der olympischen AthletInnen dem Österreichischen Olympischen Comité (ÖOC) eine vier Meter lange Fackel für faire Arbeitsbedingungen in der Sportbekleidungsindustrie. Im Wiener Hotel Hilton nahm Dr. Leo Wallner, Präsident des ÖOC, die Fackel, die von zahlreichen KonsumentInnen unterschrieben wurde, entgegen und kündigte die Einbeziehung sozialer und ökologischer Standards in die Lizenzverträge des ÖOC an.

AthletInnen aus 205 Nationen werden sich ab 8. August 2008 bei den 29. Olympischen Sommerspielen in China im fairen Wettkampf messen. Lange vor dem Beginn der Olympischen Spiele waren die ArbeiterInnen der Sportbekleidungs- und Merchandisingindustrie dem unfairen Wettkampf in diesen Branchen ausgesetzt. ArbeiterInnen, die in Unternehmen beschäftigt waren, die im Auftrag des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) Fanartikel fertigten, bekamen bis zu 50 Prozent weniger Lohn als vorgeschrieben und wurden gezwungen, unter unsicheren und gesundheitsschädlichen Bedingungen Zwölf Stunden-Schichten sieben Tage die Wochen zu arbeiten. „Wir versuchen die Taschen mit dem Olympischem Logo fristgerecht fertig zu stellen, aber wir sind völlig erschöpft!“, sagte ein Arbeiter einer chinesischen Fabrik im Interview mit Play Fair 2008.

Ein Rucksack mit dem Olympischen Logo „Beijing 2008“ wird um 22 Euro verkauft, die ArbeiterInnen, die diese Rucksäcke herstellen, bekommen nur 2,4 Euro am Tag. Zu wenig, um ein menschenwürdiges Leben in China führen zu können. „Der Olympische Gedanke darf nicht vor den Arbeiterinnen und Arbeitern halt machen“, forderte Michaela Königshofer, Koordinatorin der Clean Clothes Kampagne. „Ebenso wie Markenfirmen, müssen auch das Internationale Olympische Komitee und die Nationalen Olympischen Komitees die Verantwortung für ihre Lieferketten übernehmen. Andernfalls werden die fünf Ringe zu einem Symbol für die Unterdrückung grundlegender Arbeitsrechte“, so Monika Kemperle, Leitende Sekretärin des ÖGB.

Die Kampagne Play Fair 2008, die in Österreich von der Clean Clothes Kampagne, dem ÖGB und der Volkshilfe getragen wird, ist überzeugt, dass Sportorganisationen wie das Österreichische Olympische Comité und das Internationale Olympische Komitee (IOC) durch ihre Lizenzvergaben wesentlich größere Verantwortung für die Arbeitsbedingungen in diesem Sektor übernehmen können, als dies zur Zeit der Fall ist. „In den vielen Hilfsprogrammen der Volkshilfe in Armutsregionen der Welt sehen wir, was es bedeutet, wenn Menschen unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten müssen und menschenverachtende Löhne erhalten. Krankheit, Arbeitsunfälle, dauerhafte Behinderungen, Kinderarbeit sind die verheerenden Folgen. Wir müssen das derzeitige System von Ausbeutung in der Sportbekleidungsindustrie beenden! Dies kann aber nur gelingen, wenn große Einkäufer und die Sportorganisationen sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene soziale Standards bei der Produktion der bestellten Sportbekleidung zur Bedingung machen.“, stellt Erwin Berger von der Volkshilfe klar.

Im Gegensatz zum IOC, das eine Einbindung von Sozialstandards in seine Lizenzverträge für die Olympischen Spiele 2016 in Aussicht stellt, geht das Österreichische Olympische Comité mit gutem Beispiel voran und wird in Zukunft die Einhaltung sozialer und ökologischer Standards in der Produktion einfordern. „Fairness ist uns wichtig und geht einher mit unserem Verständnis des olympischen Gedankens. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass diese Fairness auch für die Beschäftigten gilt, die die Ausstattung der österreichischen Athletinnen und Athleten produzieren“, so der Präsident des ÖOC Dr. Leo Wallner bei der Übergabe der Fackel für faire Arbeitsbedingungen im Wiener Hotel Hilton.

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Play Fair 2008 ist eine internationale Kampagne von Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen für faire Arbeitsbedingungen in der Sportbekleidungsindustrie. In Österreich wird Play Fair 2008 von Clean Clothes Kampagne, ÖGB und Volkshilfe getragen und von der Europäischen Gemeinschaft und der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit gefördert.


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