Die VerliererInnen von Olympia

Play Fair 2008 berichtet aus China von menschenverachtenden Arbeitsbedingungen in der Sportbekleidungsindustrie und kämpft weiter für Verbesserungen.

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Wien, 07.08.08. Die Bilanz der Play Fair Kampagne, die in Österreich von Clean Clothes, ÖGB und Volkshilfe getragen wird, macht Hoffnung: Mehr als 12.000 Unterschriften alleine in Österreich, zehntausende Unterschriften weltweit, 168 Organisationen aus 35 Ländern und ein klares Bekenntnis des Österreichischen Olympischen Comités, die Forderungen nach fairen sozialen Standards in der weltweiten Sportbekleidungsindustrie zu unterstützen. „Der Weg zu diesem Ziel ist zwar noch weit, aber mit Unterstützung der KonsumentInnen tut sich ein Silberstreif am Horizont auf. Play Fair wird für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen weiterkämpfen bis die Olympischen Spiele wirklich ein Fest der Völkerverständigung und der Menschenwürde werden“, kündigt Michaela Königshofer, Koordinatorin der Clean Clothes Kampagne bei der heutigen Pressekonferenz mit ÖGB-Präsident Hundstorfer und Volkshilfe-Kommunikationschef Erwin Berger an.

Besonders bitter ist es, dass das Internationale Olympische Komitee (IOC) bisher die zehntausenden Unterschriften und unzähligen Aufforderungen verschiedenster weltweiter Organisationen auf die lange Bank schiebt. „Das IOC hat nichts für eine Verbesserung der Situation in seinen Zulieferbetrieben gemacht. Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Jacques Rogge hat entgegen seinen Versprechungen zu allen Missbräuchen und Verstößen gegen die Menschenrechte geschwiegen, “ ist Königshofer empört. Das IOC hat es verabsäumt, sich für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen einzusetzen.

Daher stehen schon vor der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele 2008 in Peking die VerliererInnen fest: die ArbeiterInnen, die Sportbekleidung und Merchandising-Artikel für Olympia fertigten. 14 bis 16 Stunden Arbeit am Tag für rund 70 bis 80 Euro pro Monat – nur die Hälfte des vorgeschriebenen Mindestlohns in China. Die Kampagne Play Fair 2008 ist gegen diese Missstände angetreten, um von Sportbekleidungsherstellern und Sportorganisationen wie dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) konkrete Schritte für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen einzufordern.

Im Gegensatz zum IOC hat das Österreichische Olympische Comité (ÖOC) zugesagt soziale und ökologische Standards in ihre Lizenzverträge einzubinden „Es freut mich, dass das Österreichische Olympische Comité eine Kooperation mit Play Fair 2008 begonnen hat und im internationalen Vergleich eine Vorreiterrolle einnimmt“, so Erwin Berger, Volkshilfe Österreich. Auch seitens der österreichischen Regierung ist bereits Unterstützung zugesagt worden: So spricht sich der Nationalrat in einer Entschließung und Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka deutlich für „Nachhaltigkeitskriterien für die Ausstattung österreichischer SportlerInnen bei Großveranstaltungen“ aus und wandte sich mit diesem Anliegen bereits im Februar dieses Jahres persönlich an die Sportverbände.

Weltweit haben sich zehntausende KonsumentInnen und 168 Organisationen aus 35 Ländern an den Aktionen von Play Fair 2008 beteiligt und die Sportartikelhersteller und Sportorganisationen aufgefordert, Schritte gegen die Ausbeutung der ArbeiterInnen in ihren Zulieferbetrieben zu setzen. Alleine in Österreich haben 12.228 KonsumentInnen mittels ihrer Unterschrift die Forderungen von Play Fair 2008 unterstützt. „Den Österreicherinnen und Österreichern sind die ausbeuterischen Verhältnisse in der Sportbekleidungsindustrie nicht egal, sie wollen fair produzierte Produkte kaufen“, freut sich Michaela Königshofer über die breite Unterstützung.
Diese Unterstützung wurde von der österreichischen Play Fair-Koalition auch nach Hongkong getragen und in einer von der Weltpresse vielbeachteten Fotoaktion am vergangenen Sonntag auf der Olympic Piazza gezeigt (siehe Fotodownload).

Die Sportbekleidungshersteller haben auf die Kritik von Play Fair 2008 reagiert. Bei einem Treffen zwischen VertreterInnen von Play Fair 2008 und Sportbekleidungsherstellern (u.a. Nike, Adidas, Umbro, New Balance und Speedo) in Hongkong wurde eine gemeinsame Arbeitsgruppe gegründet. Ziel ist, die geforderten Schritte zur Verbesserung von Lohn- und Arbeitsbedingungen nachhaltig zu verankern und ein entsprechendes Vorgehen auf nationaler Ebene zu erproben. „Es gibt noch viele Hürden zu überwinden“, sagt ÖGB Präsident Rudolf Hundstorfer und meint weiter: „Organisierung und Kollektivverhandlungen, besonders aber existenzsichernde Löhne, menschenwürdige Arbeitsbedingungen und Arbeitsrechte, sind Werte für die sich Gewerkschaften weltweit einsetzen. Und dafür werden wir auch weiterhin aktiv kämpfen“

Ein Beispiel für die katastrophalen Arbeitsbedingungen in China: „Ich habe von früh morgens bis nachts um zwei Uhr gearbeitet! Und das nicht nur einmal, sondern zwei- oder dreimal jeden Monat. Ich war völlig erschöpft, aber ich musste trotzdem am nächsten Morgen wie immer zur Arbeit kommen“, erzählt ein 13-jähriges Mädchen, das bei Lekit Stationery Co. Ltd einer Fabrik in Dongguan, China arbeitete, die Fanartikel für die Olympischen Spiele herstellte. Obwohl Kinderarbeit weltweit in der Bekleidungsindustrie zurückgegangen ist, werden oft ganze Schulklassen im Sommer in chinesischen Fabriken beschäftigt, wenn die Schule dringend Geld braucht. Die großteils von ländlichen Regionen stammenden ArbeiterInnen leben in Massenunterkünften auf dem Fabrikgelände, wo sich zwölf Personen ein Zimmer teilen und die Fabrikbesitzer jegliche Aktivitäten ihrer MitarbeiterInnen kontrollieren können. Die ArbeiterInnen wissen meist nichts über ihre Rechte und müssen sich zusätzlich an die Fabrikregeln halten, die beispielsweise Kaugummi kauen und sprechen während der Arbeit verbieten oder genaue Ausgehzeiten vorgeben. Wer dagegen verstößt, bekommt weniger Lohn.
 
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Play Fair 2008 ist eine internationale Kampagne von Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen für faire Arbeitsbedingungen in der Sportbekleidungsindustrie. In Österreich wird Play Fair 2008 von Clean Clothes Kampagne, ÖGB und Volkshilfe getragen und von der Europäischen Gemeinschaft und der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit gefördert.


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